Du bist die Ruine, ich bin das Moos.

Liebe Vergangenheit. Heute schreibe ich Dir, weil ich so weit bin. Neu geboren fing ich an zu blühen. Voller Blätter, voller Farbe und Melodie. Einige dutzend Mal stürzten Deine Trümmer auf mich herab und brachten mich unter tausenden Hilfeschreien schließlich zum Verstummen. Und immer wenn ich dachte, Du seist nun fertig mit Zerstörung, Neid, Hass und Wut, fielst Du ein erneutes Mal wie ein Ungetüm aus Fels und Stein auf mich nieder. Zertrümmert liegst Du da. Und ich wachse auf Deinen Ruinen; verdaue Dich ein Leben lang. Denn ich bin das Moos, das Dich bald ganz bedeckt, während Du langsam zu Staub zerfällst und von der Erde wehst, aus der ich erwachse. Ich bin bunt und Du bist grau. Ich lache und weine, verfehle, lerne und blühe so laut und so viel ich kann. Du fühlst nichts. Ich kann Dir nicht zurückgeben, was Du nie hattest. Liebe Vergangenheit, es hat einen Grund, warum Du es nicht in meine Zukunft geschafft hast.

(Trauerarbeit aus: Familie mit APS & NPS – warum mein Autismus mich beschützte)

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