Kalter Entzug – Rose goes north.

IMBOLC. Kein unbedeutendes Jahreskreisfest für mich. Erneuerung. Frische. Und doch ist die Erschöpfung der vergangenen Monate, mit ihren Ereignissen immernoch nicht aus mir gewichen. Tod, alte Dämonen die mir lange den Schlaf raubten, erneuter Verlust, neue Minischübe der AI und das brutal ehrliche Voranschreiten der Zeit, die doch bitte gefälligst so lange aufzuhören hat, bis ich soweit bin. (?)
Als Gegengewicht stehen große Pläne da.
Es steht nun fest, ich verlasse diesen Ort für eine Weile. In drei Wochen ist es so weit.
Mein Kuschelhäuschen tausche ich gegen ein Mökki, ohne fließend Wasser, ohne Strom. Holzbeheizt, Außenklo, Außensauna. Permakultur Suomi und klein Ruusu als Anwärterin mittendrin. Mein Tigergürkchen bleibt mit einem Lieben, ihr Vertrauten daheim. Kaum zu glauben, dass sich das alles so fügte (obwohl es sehr mühseelig war) und es jetzt wirklich klappt. Und zwar so klappt, dass es kein Zurück mehr gibt. Ich zieh das jetzt durch.
Kloß im Hals. Und zwar nicht Grießklößchen sondern riiiesen Kartoffelkloß.
„Ojentaisitko minulle perunoita, kiitos?“ So lerne ich zu bitten ohne zu bitten. So lerne ich langsam aber sicher nicht nur was finnisch ist, sondern witzigerweise auch was deutsch ist. Ich behauptete ja vor Kurzem noch, das es das gar nicht gibt, dieses DEUTSCH. Voi, was hab ich mich geirrt! Man kann so fett deutsch sein, das es kracht. 😀
Die finnische Bitte liegt im freundlichen Fragen. Denn schon allein überhaupt zu fragen und nicht zu erwarten ist Höflichkeit. „Reichst Du mir die Kartoffeln? Danke.“ Deutsche bitten zwar überhäufig, erwarten aber gleichermaßen viel.
„Darf ich bitte?“ – Absolut peinlich. Es gibt zwar keine wörtliche Übersetzung dafür im Finnischen, aber es gibt einen Laut, der eingefinnischt aus dem Englischen wie „pliis“ klingt. Ist aber kein Wort nach Rechtschreibung. Das Wort quäken 5-8 jährige Kinder, die sich verzweifelt ein Smartphone wünschen und dafür jede Würde unter ihren Knien begraben.
Aprospos Smartphone. Alle Apps gelöscht, Telefonbuch gelöscht, Galerie gelöscht, SMS gelöscht. Gerootet, Werksapps und Bloatware gelöscht, Mikrofon gesperrt, Kamera gesperrt. Jetzt habe ich allenfalls noch einen passablen GPS-Peilsender mit Telefonfunktion und auf dem läuft sogar ein TransProxy mit Brücke, der den Standort fälscht. Für mich ein Meilenstein in meiner bereits 5jährigen Smartphone-Geschichte.
Und jetzt? Benutze ich eine Digitalkamera und ein analoges Aufnahmegerät auf isolierten SD-Karten ohne Internet für meine Medien. Internet nur noch über TOR am ebenfalls von persönlichen Daten gesäuberten Mac.
Auf das Smartphone gucke ich allenfalls 1x alle paar Tage für Datum und Uhrzeit oder um den Wecker auszuschalten. Revolutionär!
Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, Instagram weiter zu benutzen, als ein Bild von der Digitalkamera über den Mac auf das Smartphone zu schieben und die App neu zu installieren. In meiner App-Geschichte war das mit Abstand meine Lieblingsplattform. Andererseits hab ich jetzt auf einmal so viel Zeit! Und Keiner weiß was ich mache! Macht nichts. Ich manchmal auch nicht. B-)
Bin wohl wieder auf einer Reise. Sie heißt ORGANIC-VEGAN-I-DONT-EAT-YOUR-CHILDREN-ZERO-CHEMICALS-HALF-THE-WASTE-OF-MY-NEIGHBOUR-EARTHLINGS-I’M DYING-BUT-NOT-OF-SLAVEDRIVERSHIP-AND-ENDLESS-STUPIDITY-HÄNDE-WEG-VON-TIEREN-UND-GRUNDWASSER-MACH-DOCH-LIEBER-MAL-NE-KERZE-AUS-SONNENBLUMEN-JOURNEY…oder so.
Ich weiß, da waren die Hippies schon vor mir – meine Mutter war eine. Ich weiß, ich übertreib mal wieder. Aber Scheiße, ich hab seit 2015 plötzlich 31% Kanadier, 18% US-Ammis und 12% deutsche Veggies im Rücken! Davon sind MILLIONS FUCKING VEGANS, Tendenz steigend…YOU KNOW WHAT I MEAN??? In Kanada kracht’s in der Fleisch-und Milchindustrie. Ich meine, Hosen und Autos waren auch mal ein Trend, den sich kaum Eine erlauben konnte. Und Hosen und Autos haben uns doch…wenn wir mal ehrlich sind, überhaupt erst zu den Weicheiern gemacht, die wir heute sind. Entdecke das immerwieder an mir. Meine Antwort? Jedenfalls keine halbherzigen Gewissens-Diäten.
Kalter Entzug, während mir die Paradoxen unseres Wohlstands hautnah um die Ohren klatschen.
Ich bin raus.

 

 

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