Sozialfast

So. Neben Rundfunkzwangseintreibungen, anhand von gelbem Kopierpapier mit Schweinekringelunterschrift, Schweine-Holocaust-Videos aus Südkorea, Globalisierungserscheinungen, Schmerzverarbeitung, Ernährungsumstellungen und anlaufendem Minimalismus sowie anstehenden Erledigungen, gibt es mich noch. Irgendwo…darunter…jedenfalls.

Manchmal schon grenzwertig kurz vor der Totalverweigerung. Und eben dieser Gedanke, zieht mich in letzter Zeit so magisch an, dass es mich fast entspannt. Ja, fast. Sozialfast.

Es erstaunt mich doch immer wieder, was ich alles zu tun, zu sehen, als Realität anzuerkennen und vor Allem zu empfinden habe.

In diesem Kontext, noch mehr die Tatsache, dass ich ja mit meiner bloßen Existenz provoziere…sogar außerhalb dieses Austobe-Blogs. Wobei dieser nicht mal annähernd so krass ist, wie ich wirklich denke. Seit August, könnte ich einfach nur noch Scheiße!-schreiend durch die Gegend laufen. Und ich war doch gerade noch ganz woanders. Ich hatte Frieden gefunden. War so glücklich. Hatte so wenig Wünsche offen, dass es schon fast unheimlich war.

Ich hatte Wald und freien Himmel, Vögel, die mich wachzwitscherten und den Mond. Meinen Mond, den ich so viele Jahre vermissen musste. Und jetzt sind da nur noch Andere. Menschen. Ich bin so voller Menschen, dass ich eine Datenbank einrichten könnte. Facebook für beginners, sozusagen. Menschen, Menschen, Menschen, Menschen. Wollen, Wollen, Wollen, Wollen. Bedürfnis, Bedürfnis, Bedürfnis, Bedürfnis. Ich werde Werbeagentin für innere Bedürfnisse, die ganz schnell…….naja, ist doch wahr! Sollte ich eine Kummerkasten-Email für Beamte und Regierungstreue einführen? Nee, zu progressiv, wa!

Also habe ich jetzt ein Fahrrad. Ein seeeehr seeeehr schnelles Fahrrad. Mein altes Pferdchen habe ich behalten, aber es galoppiert nur Kurzstrecken. Vorgestern habe ich mit dem Flitzer 30 km zurückgelegt, ohne auch nur darüber nachzudenken. Es zog mich hinaus und immer weiter hinaus, bis – der Radweg verschwand und die Landstraße in die nebelige Nacht führte. Da war Ende.

Aber ich hätte weiterziehen können. Und ich frage mich…ja, ich frage mich, ob der Tag bald kommt…an dem ich nicht mehr umdrehe. Einfach weiterfahre. Wie der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Ungeachtet dessen, was aus Diesem geworden ist. Ich bin nicht hundert. Glaube aber, das könnte ein absoluter Vorteil sein.

Herjeh, ich habe in New Mexico in der Wüste geschlafen! Vor zehn Jahren noch, hätte ich auf den gelben Brief gepinkelt und ihn in Frischhaltefolie zum Amt zurück geschickt. Aber heute bin ich zu umweltbewusst – das geht nicht mehr. Vor zehn Jahren, habe ich mit Rastamännern in der jamaikanischen Pampas gehockt, Monitäres verweigert, gegen Unterkunft Seife gesiedet, getöpfert und mit Weißenhassern Gingerbeer gesüffelt. Was diese deutschen Luschen da drüben so alles meinen zu wissen, das war mir doch Bockwurst. Und heute schreie ich innerlich bei jeder Bockwurst, die auf jemandes Teller liegt? Was ist bloß passiert?

Ganz einfach. Ich will nicht mehr akzeptieren, dass mir alles egal sein muss, bloß weil sich die Menschen wie Totalirre aufführen, mit ihrem industriellen Traditionswahn. Kaufen kaufen kaufen machen haben wollen fressen fressen fressen bürgen bürgen bürgen leiden leiden zahlen zahlen produzieren wählen unterwerfen. UND WEHE DU MACHST NICHT MIT, DU VERWÖHNTE SONDERBEDÜFTIGE!

Die Wahrheit ist doch: ICH entscheide das alles. Nicht Andere sind an meinem Elend Schuld, wenn ich akzeptiere, dass der Weg plötzlich aufhört, weil er in den Nebel mündet. Ich. Nur ich.

Warum soll ich unter ihrem Zwang leiden? Finde ich es okay, dass ich keine Tiere esse? Ja. Finde ich es okay, dass ich Aspie bin? Ja. Finde ich es okay, dass ich mich nicht zwingen lasse etwas zu zahlen, dass ich nicht nutze? Ja. Also was zum Donar haben Andere bitte damit zu tun?

Andere sind nicht Schuld an ihrer oder meiner Meinung. Leiden müssen auch sie. Ich bin verantwortlich dafür, was ich ihnen gegenüber empfinde. Nur ich. Naja fast. Sozialfast.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s