Mama Angst und Papa Schnauzbart

Während der letzten drei Jahre, seit Einführung der Rundfunkzwangsabgabe, bin ich durch viele Täler der Angst und des Zweifels an der Echtheit innerer und äußerer Strukturen gewandert.

Meine eigenen Urängste, subtile Denkmuster und Prägungen..es ist und bleibt interessant und ein harter Weg, in meiner psychologischen Eigenanamnese. Und dies mit Verhaltensänderung, mal in die eine, mal in eine andere Richtung abzufangen, ist die schwerste Aufgabe. Vergleichbar vielleicht mit dem Fisch, der auf einen Baum klettern muss, weil er zur Zwischengenese der Wasser-Landtiere gehört.

Nicht zu vergessen und hoch interessant, sind aber auch die Reaktionen meiner Mitmenschen, worüber zu schreiben mir fast genauso schwer fällt. Vorherrschend ist die Reaktion derer, die sich wie „deutsche Scheidungskinder“ verhalten, aber noch nicht bemerkt haben, dass Mutti und Vati nie getrennt waren.
Einige meinen seit 1949, es habe keinen Sinn mehr zu versöhnen, Andere seit 1990, es hätte nie was Anderes gegeben als den Streit.
Dass es nie einen Friedensvertrag gegeben hat und auch nie eine Entnazifizierung und dass ein von Handelsverwaltung überholtes Grundgesetz keine Verfassung ist, ist kaum Jemandem bewusst den/die ich kenne.
Für die Meisten spielt es auch keine Rolle. Das Recht fliegt ihnen entweder einfach zu, oder sie haben gar keins. Ist auch nicht schlimm, so lange sie keins vermissen müssen.
In diesem Sinne ist „deutsche Scheidungskinder“ völlig falsch. „Waisenkinder Deutschlands“ trifft es wohl eher.
Sie verlassen sich treugläubig auf das unversehrte Heim, so lange sie sich nur brav fügen. Es kommt ihnen nicht in den Sinn, dass es tatsächlich von heute auf morgen vorbei sein könnte, da dieses Grundrecht nie verfassungsgemäß durch das Volk unversehrbar gemacht wurde.

Nun kann Eins bedrückt den Kopf senken und alles bedauern. Aber das ist keine Haltung die mir lange gut bekommt.
Macht den Nacken so steif.
Tatsächlich hat es nach Hitler mal eine politische Aufforderung an die deutsche Bürgerschaft gegeben, dass jede und jeder Einzelne die eigenverantwortliche Pflicht verfolgen sollte, sich zu entnazifizieren. Dies kann man tatsächlich und wahrhaftig beantragen. Und es ist weit mehr als ein Statement. Es bedeutet zugleich, den Auftrag der Kriegsentfinanzierung. Ja, moin auch! Wir bezahlen immernoch dafür, dass Kinder und Frauen und Männer ermordet werden. Denkste Du bist so anders als der Ami, der es laut rausposaunt und in ’ne Fahne wickelt, bloß weil Du Posaune und Fahne auf dem Weg zum Einwohnermeldeamt verbummelt hast?

Über dreißig Jahre lebe ich in diesem Land. Und über dreißig Jahre habe ich keinen Menschen getroffen, der dies getan hätte oder auch nur davon erzählt hätte. Mal ganz ehrlich…was ist hier los?
Dieses Land tickt doch nicht ganz sauber!
Andauernd ist die Rede von Erinnerung; Maßnahmen gegen das Vergessen…;
sagt mal: Woran erinnert Ihr Euch da überhaupt? Und was hat es Euch gebracht? Was bringt es sich woran zu erinnern und dann auf die Straße zu gehen, gegen Nazis zu brüllen aber gleichzeitig die Kanonen mit gefügigen Euros zu füttern?
Für einen schönen Sendeauftrag; schöne Autobahnen; schöne Stadien; schön schön schön – ich gehe mal kotzen!
Macht das eigentlich Spaß alles so schön zu finden oder kriegt man davon auch mal Reflux? Ich meine spätestens zum Weihnachtsprogramm muss das doch mal bitter aufstoßen.

Im Zweifel sitzenbleiben. Ganz deutsch.  Bundestag deutsch. So deutsch, dass selbst ein Gysi anfängt sich zu langweilen. Leider sah es in meiner Grundschule, meiner Oberschule und der Berufsschule kaum anders aus. Im Zweifel sitzenbleiben. Sicherer als loszulaufen.
„Mm-mmh, vielleicht ist es auch einfach Dankbarkeit. Sowas das Dir fehlt. Wir haben es hier so gut – andererseits.“

Dankbar…bin ich für Vieles. Aus mir heraus und echt und ehrlich. Für Alles was aus Anderen heraus, echt und ehrlich ist. Für Alles außer verlogenen Frieden und blinde Gefügigkeit.
Und ich dachte wir wären darüber hinweg.
So richtig blöd.
Wie ein blödes, blondes Kindchen, das salutierend sein rotes Sklavenhalstuch besingt. Der Beweis. Ich hab mich oft gefragt, was es eigentlich ist – dieses Deutschsein.

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