Die Pantomime der Gefühle

Jedes Mal, wenn ich anderer Meinung als meine Mitmenschen bin,
wird daraus irgendwie ein pathologischer Vorgang gemacht.
Jedes Mal, wenn ich mich zu meinen Gefühlen äußere, werden meine Empfindungen entweder als Nichtautistin, daher als genaues Gegenteil eingeschätzt; oder ich werde als „psychisch labiles Wesen“ irgendeiner dritten Art behandelt und mitleidig angeguckt. (Autiparadox)
Was ebenfalls völlig am Verständnis für das Asperger Autismus Spektrum vorbeirasselt. Dass Neurotypische sich auch selbst oft so behandeln, kommt ebenso vor.

Mir ist schon manches Mal aufgefallen, dass ich im Durchschnitt weniger werte. Im Einzelfall sogar mehr, aber im Durchschnitt weniger. (wieder Autiparadox)
Damit meine ich, wenn etwas für mich unverständlich ist, dann ist das für Andere gleichbedeutend mit „traurig“, oder ich werde als „aufgeregt“ bezeichnet oder gar „hysterisch“ und „überbewertend“.
Bestimmt wirke ich auch oft so oder so. Es bedeutet nur leider nicht, dass ich es bin.
Ach, warum leider, ich bin es oft eben einfach nicht und bedauere das auch nicht.
An anderen Stellen, bin ich in einer ausreichenden Untiefe traurig, die mich sogar manchmal für Tage stumm macht. (ist heute Autiparadox-Tag?)
Darauf folgt Geplapper. Aber zurück zu der Missinterpretation meiner Empfindung.

Ich verstehe etwas nicht und möchte es mir erklären oder hoffe, dass jemand Anderes es erklären kann.
Wenig hilfreich,
wenn dann angenommen wird, dass ich gerade eh keine Erklärung gebrauchen oder annehmen kann, weil ich ja so „traurig“ bin.
Ich meine…steht das irgendwo in einem Handbuch für Erziehungsmaßnahmen für NT’s oder NT-Kinder?
Erziehen sie sich gegenseitig zur Einsicht, jeweils die Emotion vorweisen zu können, die gerade logisch wäre – oder wie funktioniert das?

Das meine Empfindungen meist nicht verstanden werden, habe ich im Laufe meines Aufwachsens, über zwanzig Jahre wunderbar beobachten können. Und an diese Tatsache möchte ich auch nicht zu lange denken, denn sie macht mich in der Tat traurig und sogar verzweifelt. Denn ich kann nichts tun um das zu ändern, bis ich alt bin und sterbe.
Ich kann es durch Kommunikationsweisen manchmal bessern oder auch verschlechtern, aber ändern nicht.
Die berühmte Glaswand gibt es wirklich.
Steht im Handbuch für Autismus – 😀 kleines Witzchen am Rande.

Aber was ist das nun – dieses Betiteln?
Wieso reicht nicht was der/die Andere mitteilt? Und wenn sie/er nichts mitteilt, wieso reicht das nicht auch?
Warum scheint wütend Sein ohne zugrunde liegende Trauer oder umgekehrt nicht auszureichen?
Schublade auf, Person mit ganz furchtbar schrecklichen Empfindungen rein, Schublade zu?
Abschließen, Schlüssel wegwerfen?

Die eigenen Gefühle sind ein komisches Ding. Wie diese Straßen-Pantomime, die alles nachmachen, wie Dein Spiegelbild. So scheinen sich Gefühle synchronisieren zu wollen, damit es eine Erklärung gibt.
Denn was erklärbar ist,
ist leichter zu fassen.

Ich bin wütend. Seit ein paar Wochen. Richtig stinksauer… da unten steht’s. ↓
Warum brauche ich kaum mehr erklären – ich glaube Jede/r hat’s gerafft, egal ob gewollt oder ungewollt. Meistens natürlich ungewollt, wie im Beitrag „Unbequemsein“ bereits beschrieben.

Und dann war ich plötzlich sehr traurig, weil mein Cousin starb.
Und dann war ich plötzlich sehr ängstlich,
weil man mich bedrohte.
Und dann wurde ich wieder wütend.
Ich habe zu jeder Zeit gewusst, was von diesen Ereignissen welche Emotion auslöste. Ich beschäftige mich seit nunmehr dreizehn Jahren mit Tiefenpsychologie.

Ein Beispiel: Nach der TP ist das Wort „Gefühl“ was ich oben oft im eigentlich falschen Kontext verwende, ein Begriff, der eine Mischung mehrerer bestimmter Emotionen beschreibt, die zu etwas führt, dass wir es als Eins wahrnehmen.
Wir benutzen aber umgangssprachlich fast ausschließlich das Wort „Gefühl“ statt „Emotion“.

Ich kenne diese Vermischung nur noch aus ferner Vergangenheit. Wie eine Jugendbrieffreundin, deren Nachnamen man vergessen hat.
Früher als ich ein Spielball meiner und der Gefühle Anderer war.
Mittlerweile kenne ich alle meine Brieffreunde gut 🙂
Und das hat mich von einem tatsächlich psychisch labilen Wesen, zu einem Wesen gemacht, das viel geschafft hat, noch schaffen kann und im Inneren viel fester geworden ist.

Der Angst Mut entgegenzusetzen, der Trauer ein Lachen u.s.w., ist nicht gleichbedeutend mit nie-Angst-Haben oder nie-richtig-traurig-sein können.
Es ist gleichbedeutend mit Selbstliebe,
Selbstverantwortung und dem tiefen Verstehen, nicht verstanden werden zu müssen.

image

Es macht mich sehr traurig, wenn nahe Freunde mich nicht verstehen. Aber ich verharre nicht in dieser Traurigkeit.
Das war einmal.

Und ich träume auch. Von Irrealem. Zum Beispiel davon,
dass dieses Asperger-Sein, was lange Zeit tatsächlich nur in Folgekrankheit ausgedrückt war – und damit meine Vergangenheit nicht mehr zum Anlass genommen wird, um mir zu erzählen, wie ich mich fühlen muss.

Ich möchte mal zu Recht und ganz gesund um mich schlagen dürfen,
weil man mich zu etwas zwingt, dass mir nicht passt.
Wie jeder andere Mensch, Hand auf’s Herz, das gerne auch für sich beansprucht.

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