Über’s Unbequemsein (ein Seelenfenster)

Ich habe eine Freundin, die ich als meine Freundin betrachte, obwohl wir uns nur wenige Male im Jahr wirklich intensiv miteinander befassen – DANN aber eben intensiv.
Diese Freundin bloggt.
Ebenfalls intensiv.
Ihre Intensivität ähnelt meiner – im Erleben wie im Ausdruck.
Und sie gab mir die Anregung über etwas zu schreiben, das für Andere unbequem sein könnte.
Denn ja,
was kann schon passieren? Dass Menschen in meinem Umfeld hauptsächlich selbstbeschäftigt mit dem Ausweichen von Problematiken sind, daran bin ich gewöhnt.
Dass ich meist die Unbequeme bin, die zu Auseinandersetzung nötigt und damit oft viel zu viel abverlangt auch.
Dass meine Bereitschaft, auf einen Großteil meines Erlebens, zum Komfort Anderer und ihrer Ängste, sowie meiner eigenen, mit fortschreitender Lebensreife schwindet, sollte doch nun wirklich Jedem langsam klar geworden sein.
Oder nicht?
Nein?
Gut, ich schreibe es mal so, wie ich es meiner Freundin sagte.
Ich finde, dass Lebensreife damit einher gehen sollte (ohne Überheblichkeit fürchten zu müssen),
Überlegenheit seinen Dämonen gegenüber zu gewinnen. Was vereinfacht bedeutet: sie aushalten zu können.
Und noch einfacher: sie aussprechen zu können.
Und das ist die Stelle, an der ich gerne ein Bisschen auf die Tränendrüse drücken möchte,
denn ich kenne leider nicht mal ’ne Hand voll Menschen, die das überhaupt WOLLEN.
So. Jetzt ist es raus.
Es heißt immer so schön romatisch „Sei einfach wie Du bist.“ Und dann kommt heraus, sobald ich in meinem nun über dreißig jährigen Leben einmal „einfach so war wie ich bin“, gab’s nicht nur Einen, sondern Zwei-Drei-Vier auf den Deckel. Und weil es so spaßig ist, eigene Schwächen mit Austeilen zu kompensieren und scheinheilig daneben mit weißem Fähnchen zu wedeln – gibt’s Nummer Fünf gratis hinterher.
Sein wir mal ganz ganz ehrlich – das trifft sogar auf meine Freunde zu. Die sich zu Recht, auch oft verteidigen müssen. 
Ich finde dieses Rumtanzen um den heißen Brei, nämlich seit meiner Wiege und dem tatsächlichen Brei, wahnsinnig anstrengend.
Und da ist sie wieder – die unbequeme Amy, die ganz schön angreifend drauf los spaziert.
Vorwürfe. Alles nur Vorwürfe.
Oder?
Hand auf’s Herz – ist nicht DAS in der Tat ein Vorurteil?
Ich will vorwerfen, in dem ich über menschliche Dämonen spreche, die mich gleichermaßen betreffen?
Ich sag‘ es mal so…
es ist MIR unbequem, diese viel zu kleinen Puppenschuhe noch zu tragen, welche mir schon in der Grundschule nicht passten. Und ich finde es darüber hinaus peinlich -HOCHPEINLICH- , wie ERWACHSENE Menschen um ihre Problemchen rumtanzen als wäre der Teufel hinter ihnen her. Das hat etwas so Würdeloses. Und wenn ich an meine eigene Zukunft denke und den Menschen, den ich in mir kennenlerne,
ist genau das, keine von den Eigenschaften, mit denen ich mich benennen möchte. Feige.
Denn Lebensjahre sind (zumindest für mein Erleben) dazu da, um Ängsten zu begegnen. Ihnen Aug um Aug entgegen zu blicken. Mit ihnen zu sprechen und zu sagen: „DU, ANGST, hälst mich nicht ab. Du stiehlst mir keine Lebenszeit. Und wenn ich Zeit investiere, dann um mit Dir fertig zu werden.“
Lernen wir nicht leben, um entscheiden zu können? Entscheiden wir nicht, um leben zu können? Wollen wir nicht Alle so gut wie möglich leben? Haben wir das nicht gemeinsam?
Ich muss einsehen – auch hier scheiden sich die Geister, auch hier sind wir verschieden, was wir als gut oder als möglich betrachten.
Und ich bin oft niedergeschlagen zu erkennen, wie schnell Menschen die ich liebe, dazu bereit sind hinzuschmeißen.
Und ich sage es nochmal in unbequem: wegzuwerfen.

Es erschüttert mich zutiefst.

Das ist eine unbequeme Wahrheit über mich. Und die darf ruhig Jeder wissen. Ich schäme mich ihrer nicht.
Denn ich glaube noch an die Freiheit des Willens und die Möglichkeiten des Geistes. Wer sich darin beschneidet, muss nicht mit dem Finger in meine Richtung wedeln.
Denn ich glaube.
An das Potenzial zum Glück. In jedem von Euch.

Also hier eine kleine Bitte, die vermutlich wieder viel zu riesig ist.
Brei’t weniger rum – spuckt es aus, wenn’s Euch nicht schmeckt; durch Rühren und Tanzen wird’s nicht besser.

Und? Ist wer gestorben? Na hoffentlich nicht. 😉

Vor langer Zeit, sagte ein Arzt zu mir und meiner nun langjährigsten Freundin: „Was mögen Sie aneinander?“
Und ich sagte zu ihr direkt:
„Du animierst mich.“
Und der Oberarzt war erfreut und teilte uns mit: „Wissen Sie was das bedeutet – Animieren ? Es bedeutet Beseelen. Sie haben damit gesagt: Du beseelst mich.“

Das ist etwas, an das ich mich erinnern werde, bis zu meinem letzten Atemzug.
Wir haben die Fähigkeit einander zu beseelen. Und es funktioniert sogar am Selbst. Nichts Anderes ist ein Motiv, ein Impuls etwas zu tun, ein Lebenstrieb.

Und wenn wir diese Fähigkeit besitzen – große Güte, was für ein Geschenk!
Wie kann man das freiwillig wegwerfen? Sind wir eine Rasse depressiver Volltrottel? Sorry – wieder unbequem und taktlos – ja ich weiß, Alan Shore vor dem obersten Bundesgericht.

Nee – nicht sorry – diese Apolloismuskultur muss doch irgendwo mal ein Ende haben. Schuld und Entschuldigung. Nein! Darüber können Studien geschrieben werden,
die es vermögen alle Nationalbibliotheken der Welt zu füllen.
Wir sind so gut darin, in diesem Tanz.
Dem Tanz der Entschuldigung.
Dem Tanz um den heißen Brei.

Meine Frage: Ist es wirklich so schwer? Ist es so schwer zu sagen, was man in Wahrheit empfindet und warum, ohne der Vorwürfigkeit bezichtigt zu werden? Ohne auf die Summe seiner Hormone reduziert oder gleich mit diskriminierenden Giftbällchen bespiehen zu werden?
Und noch viel wichtiger und persönlich mutiger die Frage: Kann ich erklären was ich empfinde, ohne gleichzeitig den Kopf einzuziehen, aus nackter Angst um Deine Reaktion?
Meine Antwort heute ist JA. Kann ich. Denn Du schießt sowieso. Weiß ich. Mach mal. Denn Deine Angst bleibt Dir. Es bin nicht ich, die diese zu besiegen hat. Ich habe meine eigenen Schlachten, in die ich mich mutig und wild
TOOOOOD! schreiend, jeden Tag stürzen darf.

„Harry, bemitleide nicht die Toten. Bemitleide die Lebenden. Und vor allem Jene, die ohne Liebe leben.“,
sagt Albus Dumbledore, meine Lieblingsromanfigur. Und damit schließe ich diesen kleinen Einblick in mein Seelenleben. Denn das Wort Liebe, lässt sich hier nämlich auch vortrefflich durch andere Fähigkeiten ersetzen. Ein paar davon hier, von mir, für Euch und mich.
Selbstliebe,
Selbstkenntnis,
Mut,
Wachstum,
Erfahrung
und
Lebendigkeit.
Verschenkt sie nicht. Sonst sind sie weg. Für immer.

(Thank you, Sylvi-Jane. Du hast mich „animiert“ dies endlich zu schreiben.)

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2 Gedanken zu “Über’s Unbequemsein (ein Seelenfenster)

    • Ruusamyy schreibt:

      Sehr kurz. Aber konnte es nachholen. Und es hat sich gelohnt, das endlich mal loszuwerden. Freut mich, dass es Dir gefällt. Ich warte mit verdienter Zuversicht auf das Schweigen und auch auf die fliegenden Giftbällchen. ^^

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