Observation Homo sapiens – Die Stofflichkeit des Menschen (Teil zwei)

Die kornblauen Blumen auf dem Stoff meines Kleides heben sich eigentümlich schimmernd vom braunen Hintergrund ab. Die darübergewebten dunkelbraunen Garnfäden glänzen im Licht auf der Oberfläche. Das Garn ist spiralförmig…ich rutsche in Gedanken ganz klein, die Spirale mit einem „Juchhuuuu!“ hinunter und freue mich. Der Moment ist lichterfüllt – ich freue mich. Du siehst es nicht. Niemand sieht es, außer Betty, die sich das Lichtspiel an der Decke ansieht. Es ist so klar. Wir sind auf einem Lichtspielfest. Die Züge fahren rein und raus, Statisten steigen ein und aus, Manche benehmen sich ungeheuer schlecht und Viele sind sowas von Casual und Denime angezogen, dass sie fast gar nicht existieren. Sie wählen ihre Kleidung nach Werbung und Konformität. Was zieht ein Mensch an? Das, das und das. „Guck‘ mal, Papa, wie sieht DIE DENN AUS!?“ Kleine kopistische Rotzgöre. Niemand, der Dir gesagt hat, dass Du einen eigenen Geist hast. Ach, eigentlich kannst Du nichts dafür, aber ich hasse Dich. Du bist genau die Sorte, die später den Massenzwang unterstützt und Schüler die anders sind auf dem Schulhof hänselst oder ihnen in Deiner düsteren Schmalspurigkeit auf dem Parkplatz auflauerst. Dabei hast Du nur dumme Eltern. So düster wie Du bist, so hell durchquere ich nun das Lichtspielfest und schmunzele ein wenig amüsiert zu Betty hinüber, die sich immernoch labt und freut. Du siehst es nicht. Niemand sieht es. Ich bin Niemand. Wir sind Niemand. Die Niemande vom Schulhof mit den schrägen Klamotten.

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