Kunst kommt nicht von Können. (Über Handwerk und Bedürfnis)

Kunst kommst nicht von Können. (Von Handwerk und Bedürfnis)

Beltaynee

„Das kannst Du aber gut!“.
„Danke.“
Konversation beendet.
Ich kann mir kaum etwas Schlimmeres in Bezug auf meine Bilder vorstellen, als mit einem „Kompliment“ der Art abgespeist zu werden, als sei die Kommentarmöglichkeit auf maximal 40 Buchstaben begrenzt. Alles was die Hälfte einer sms-Länge übersteigt, wird gelöscht. Da ist mir ein Lächeln ohne Worte doch weitaus lieber. Für mich ist Kunst am Teilen viel näher dran, als am Können. Niemand muss genau das sehen was ich sehe. Niemand ist gezwungen zu Idealismus oder Geistlichkeit. Von mir aus, betrachten wir das Handwerk. Aber erwartet auch nicht, dadurch das Spiegelbild des Geschöpfes zu erblicken. Denn ein Spiegel bleibt immer das Gleiche. Eine Fläche, die reflektiert. Ganz gleich wie er gearbeitet ist.
Die quietschig bunten, siebdruckartigen Karikaturen ulkiger Tiere aus Neuseeland und Australien, welche ich zuvor gebloggt habe, so der Kiwi, welcher bei MACHT.KUNST in der Alten Münze ausgestellt war, sind Handwerk. Auftrag. Es hat Spaß gemacht, sie zu malen. Es war Entspannung, Lösen von jeglichem Inhalt.
Aber sie spiegeln nichts. Sie sind nur mein Rahmen. Nach der ganzen Ausstellungs-Aktion war ich ziemlich erüchtert. Ein weiteres Mal ging ich mit einem Bild hinaus und ein weiteres Mal, gelang keine Kommunikation. Nicht mal eine nonverbale. Alltag. Das täglich Ermüdende. Da hängt ein Bild, in einer riesigen Galerie, gemalt von meiner Hand und ist nicht ich. Wären da nicht all die wunderbaren Bilder der anderen Künstler gewesen, wäre da nicht das Erlebnis des „Anstehens“ gewesen, ….. . So hatte ich ein Lächeln auf dem Gesicht, als ich meinem leeren Kiwi „Leb‘ wohl“ zuflüsterte, bevor ich mich fast heimlich zum Ausgang schlich. Bloß nicht noch einmal angesprochen werden. Mein Erscheinen in einem Stadtmagazin hat gereicht. Ein falsches Bild zu viel. Aber das ist, was die Presse kann. Würde sie tun was sie ist, wäre Tiefgang wichtig. Essenziell wichtig. So wie es mir wichtig ist, nicht länger von der Stofflichkeit der Dinge enttäuscht zu sein. Denn es blockiert meine Lebensfreude, meine Liebe zur Kunst, zur Tiefe, zum Fluss. Kunst kommt nicht von Können. Sie kommt von Loslassen.

Advertisements

4 Gedanken zu “Kunst kommt nicht von Können. (Über Handwerk und Bedürfnis)

  1. Tinka Roser schreibt:

    War ja nicht dort, hab nur die Berichte zu dieser „Ausstellung“ im Fernsehen gesehen, deine Beschreibung von der „freundlichen“ Warteschlange und ein Video bei youtube.
    Mein Eindruck als Nicht-Künstler, Laie bis Banause war davon jedoch: „Verraten und Verkauft, input, input,input…..erstick dran!“
    Nun weiß ich ja aber das seriöse(ere) Ausstellung so nicht laufenund sich viele Künstler ganz klar gegen diese Art der „Zurschaustellung“ ausgesprochen haben.
    Zugegebner Maßen ist mir deine Aussage nicht verständlich.
    Zum einen ist mir nicht klar warum man ein Bild zur Ausstellung wähl in dem man nicht drin steckt (Absicht weil so eine Massenveranstaltung?)
    Zum anderen ist mir unklar was mit „Stofflichkeit der Dinge“ gemeint ist und wie einen diese enttäuschen kann.

    • tuulikkinoita schreibt:

      Weil es eine Gemeinschaftsaktion aus meiner Werkstatt war, wofür ein Bild aus meinen Auftragsarbeiten (Ja, sowas mittelalterliches gibt es noch, seit Dürer hat sich in Wirklichkeit kaum was verändert) für mich ausgewählt wurde. Ich hatte keinerlei Ahnung worum es sich bei der Ausstellung handelt. Dass die Deutsche Bank der Inszenator ist, erfuhr ich erst als ich schon Stunden in der Schlange stand.
      Die Aktion hat mir den Kontrast aufgezeigt, zwischen meinem eigenen künstlerischen Schaffen und der harten Realität, der
      Stofflichkeit der Dinge = Wie alles beschaffen ist. Wie die Systematik der Menschen funktioniert. Mag nicht jeder enttäuscht von sein oder sein können. Ich kann. 😉 Hoffe, ich konnte Deine Fragen verständlich beantworten, bzw. habe sie überhaupt richtig verstanden?
      Über die Moral dieser ganzen Aktion scheiden sich tatsächlich die Geister. Einige nehmen es ernst, Andere nicht, einige fühlen sich verkauft, Andere haben verkauft. ^_^
      Für mich war es eine Unterrichtsstunde in Marktwirtschaft und Ethik und wie dehnbar diese Begriffe sind. Lieber Gruß.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s